Wuchshüllen biologisch abbaubar: Nachhaltige Waldaufforstung mit plastikfreien Wuchshüllen aus Vulkanfiber

Trockene Sommer und milde Winter haben in vielen Gebieten Deutschlands dem heimischen Wald stark geschadet. Als Folge dieser Konstellation breiten sich Baumerkrankungen aus und auch der Borkenkäfer vermehrt sich rasant, sodass ganze Waldbestände zur Eindämmung abgeholzt werden müssen. Laut einem Artikel aus der Zeit vom Januar 2020 sind 250.000 Hektar Wald in Deutschland beschädigt, was Millionen Bäume betrifft. Da der Wald wiederum sowohl ökologisch als Habitat für Tiere und Teil unseres Wettersystems als auch ökonomisch als Industrieraum ein kostbares Kleinod ist, sind die angesprochenen großflächigen Aufforstungsprojekte zwingend notwendig.

Konventionelle Wuchshüllen – das Plastikproblem der Aufforstung

In unseren heimischen Wäldern werden hauptsächlich Wuchshüllen aus PP-, PE-, HDPE bis hin zu PVC-Kunststoffen eingesetzt, die nach ihrer durchschnittlichen Anwendungszeit von mehreren Jahren wieder eingesammelt werden müssen. Welche Schäden das anrichtet, können Sie im Artikel der HFR nachlesen. Zwar gibt es bereits Hüllen auf Basis von Biokunststoff, die oxo-biologisch abbaubar sein sollen. Dabei handelt es sich um Werkstoffe wie etwa Polypropylen mit Zugabe von beispielsweise Stärke aus nachwachsenden Rohstoffen. Diese Produkte zersetzen sich aber schon während der Nutzungsphase in umweltschädliche partikuläre Kunststoffbestandteile wie persistentes und mobiles Mikroplastik. Dennoch sind Wuchshüllen von essenzieller Bedeutung. Sie schützen junge Bäume vor Wildverbiss und Konkurrenzflora und tragen damit einen wichtigen Teil zu Aufforstungsprojekten bei.

Um beide Herausforderungen, also die Reduzierung von Plastikmüll im Bereich der Forstwirtschaft und die Unterstützung von Aufforstungsprojekten zu erfüllen, versuchen Experten künftig für Wuchshüllen auf substituierende Materialien anstelle von Plastik setzen.

Diese Kunststoffsubstitute müssen dabei zwei Eigenschaften aufweisen.

Sie müssen biobasiert sein, das heißt: Sie müssen teilweise oder am besten vollständig aus pflanzlichen und damit nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Zudem müssen sie biologisch abbaubar sein. Das bedeutet, die Substitute verrotten unter natürlichen Bedingungen durch Mikroorganismen vollständig zu CO2 und Wasser in einem angemessenen Zeitraum. Beide Eigenschaften werden bewusst separat benannt, denn ein biologisch abbaubares Material muss nicht zwingend biobasiert sein. Die Forstwirtschaft muss sich deswegen auf Materialien konzentrieren, die beide Eigenschaften vereinen.

Wuchshüllen aus biologisch abbaubaren Materialien

Die Eigenschaft „biologisch abbaubar“ Bedarf einer näheren Betrachtung. Hier stehen verschiedene Prüfnormen zum Nachweis dieser Eignung zur Verfügung. Diese Normen definieren dabei bestimmte Umweltbedingungen wie etwa industrielle Kompostierung, Heimkompostierung oder auch die Kompostierung im Boden. Hierfür wurden bereits die Prüfnormen der Testserien OECD 301 (A-F) und OECD 302 (A-C), sowie die Norm DIN EN13432/ DIN EN 14995 etabliert.

Biobasiert und biologisch rückstandsfrei abbaubar: die Vulkanfiber

Einen Ausweg aus dem Kunststoffdilemma in deutschen Wäldern bietet die Vulkanfiber. Diese ist komplett plastikfrei und besteht zu 100 Prozent aus dem nachwachsenden Rohstoff Cellulose in Form von hochwertigem Spezialpapier. Hierfür kommen insbesondere bestimmte Zellstoffe zum Einsatz. Die dafür benötigten speziellen Zellstofffasern stammen ausschließlich aus zertifizierter Waldbewirtschaftung (FSC / PEFC). Das Material ist zudem überaus hart, zäh und verschleißfest, sodass es eine ausreichende Schutzwirkung gegenüber Wildverbiss und Konkurrenzflora garantiert.

Auch im Bereich der biologischen Abbaubarkeit überzeugt die Vulkanfiber auf ganzer Linie und baut sich im Heimkompost rückstandsfrei und vollständig ab. Bereits jetzt entwickeln wir im Rahmen eines geförderten Forschungsvorhaben durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) und weiteren Projektpartnern erste Prototypen von Wuchshüllen aus Vulkanfiber, um den Weg für eine nachhaltiger und plastikfreiere Forstwirtschaft in Deutschland zu bereiten.